Der Ritt auf dem Roten Drachen

P2 Coworking Space in Shanghai

Als Start-up nach China? Dieser Herausforderung stellten sich sechs Jungunternehmer diesen Herbst im Rahmen der Shanghai Start-up Class 2018, organisiert vom Leipziger Acceleratorprogramm DC-Hub.
„Wir waren sehr erfreut, dass sich so viele gute Start-ups für unser Programm interessiert und beworben haben, sodass auch unserer Jury die Auswahl der Teilnehmer sehr schwer fiel“, sagt DC-Hub Projektleiter Steve Uhlig, „Besonders, dass wir junge Unternehmer aus so unterschiedlichen Branchen, aus ganz Deutschland und mit ganz individuellen Zielstellungen unterstützen können, ist ein wichtiger Aspekt in unserem Programm.“
Alle Teilnehmer der Shanghai Start-up Class 2018 sind sich einig, sie haben viel für sich und ihr Unternehmen gelernt: „Passend zum rasanten Pulsschlag der Stadt Shanghai in der Volksrepublik China hat DC-Hub einen durchgetakteten Zeitplan ausgearbeitet.“

Starker Start der Shanghai Start-up Class 2018

Nachdem die Teams Anfang September in einem heiß-schwülen Schanghai gelandet waren, ihre Arbeitsplätze im P2 Coworking bezogen und erste Eindrücke der 25 Millionenstadt gesammelt hatten, ging es am ersten Tag gleich direkt nach der Ankunft auf Chinas größte Start-up Messe, dem SLUSH Shanghai, einem Gründer- und Investorentreffen zum Aufbau einer weltweiten Startup-Community.

Es folgten Diskussionen mit deutschen Geschäftsführern, einem Meeting im Shanghaier Technologiepark Caohejing und Pitches vor potentiellen Partnern und Investoren. So wurden wichtige Einblicke in die chinesische (Business)Kultur gewonnen und erste Kontakte geknüpft die sich im Laufe des Aufenthalts teils zu wichtigen Kooperationen weiterentwickelten.

„China verändert sich rasant und man geht hier die Probleme pragmatischer an als in Deutschland, indem man neue innovative Lösungsansätze schneller ausprobiert.“
Matthias Riedel, IoCare

“not a cooking show”. Das Partnernetzwerk URBANIXX zu Gast im P2 Coworking (Foto: Dr. Sigrun Abels)

Die Delegation, organisiert und unterstützt von DC-Hub, arbeitet nun für vier Wochen in China. Auch die universitäre Sichtweise der renommierten Tongji Universität haben die Start-ups kennengelernt, Workshops beim weltgrößten China-Accelerator und der Auslandshandelskammer besucht und haben mit China-Veteranen über deren persönlichen Erfahrungen gesprochen.

Workshops, Events & Pitches

In Kooperation mit der TU Berlin und dem Chinesisch-Deutschen Hochschulkolleg (CDHK) Workshops und Trainings zu den Themen China Legal System und E-Commerce am Tongji Campus. Auch der China Accelerator gab ein eintägiges Seminar zu den Themen Investoren in China.

Durch den geförderten Arbeitsplatz in Chinas größten und ältesten Coworking Space im Stadtzentrum und durch das umfangreiche Mentoring vor Ort durch Martin Gothe und das DC-Hub Team hatten die Start-ups die Chance gute Einblicke in Shanghais Start-up Ökosystem zu erhalten.

CDHK Workshop (Foto: Dr. Sigrun Abels)

Neben Wisseninput und Workshops sind Events und Networking ein wichtiger Bestandteil der SSUC18. So folgten zahlreiche Events, die den Teilnehmern einen guten Eindruck vom chinesischen Markt, der Kultur und dem „How to do business in China“ verschafft haben: „Hier wurde sicherlich die ein oder andere Illusion zerstört, aber genauso neue Ideen und Ansätze entwickelt.“ So zum Beispiel lernten die Gründer von diafyt, warum ihre App für den Google Playstore trotz Übersetzung ins Chinesische lediglich in Hongkong ein paar Downloads hatte, wie sie mit lokalen Programmierern in Kontakt treten können und wie die App schlussendlich für China aussehen sollte.

„Apropos WeChat – nichts geht ohne aber mit geht vieles sehr einfach. Alle Geschäftsmeetings habe ich per WeChat vereinbart und selbst die Einkaufsoptionen habe ich per WeChat verhandelt.“
Thomas Wuttke, diafyt

Eine der wichtigsten Erkenntnisse für die Start-ups ist, dass eine intensive Pflege von Kontakten den Geschäftserfolg in China entscheiden kann. „Gute Beziehungen sind dabei fast wichtiger als die dazugehörigen Verträge. DC-Hub hat uns an dieser Stelle nochmals deutlich sensibilisiert”, sagt IoCare Gründer Riedel. Peakboard-Gründer Patrick Theobald fügt hinzu: “Mit deutscher Geradlinigkeit beißt man … schnell auf Granit. Das so genannte Guanxi (Beziehungen/Verbindungen) wird als wichtiger angesehen, als sofort zum Punkt zu kommen. Dabei geht es darum, zunächst eine Beziehung auf menschlicher Ebene aufzubauen und Vertrauen zu schaffen. Das war nur eine von vielen Erfahrungen, die wir bereits in den ersten Tagen machen durften und mussten.”
Ein Teil der Start-ups sind inzwischen wieder in China und bauen ihre Geschäftsbeziehungen weiter aus.

DC-Hub steht für Business- und Innovations-Hub Deutschland-China, wird finanziert vom Bundesministerium für Forschung und Bildung und organisiert zweimal pro Jahr die Shanghai Start-up Class, in dessen Rahmen sechs ausgewählten Start-ups aus Deutschland ein 4-wöchiger Chinaaufenthalt ermöglicht wird, inklusive Flügen, kostenfreien Coworking-Arbeitsplätzen, Netzwerkzugang, Veranstaltungen und Workshops. Die nächste Chance am Programm im April bzw. im September teilzunehmen haben Start-ups ab sofort. Infos und Bewerbung unter: http://dc-hub.de/apply-ssuc19

Zwischenberichte erste Woche SSUC18

Nachfolgend berichten die Gründer in einem Interview, was in der ersten Woche in Shanghai passiert ist (10.09.2018).